HOME | F.LM | FILMTAGEBUCH | FILMFOREN


Sonntag, Oktober 19, 2003  

"Aus! Aus! Aus! Das Spiel ist aus!"

Ja, ich lebe noch. Und nein, ich habe noch genug Geld, um ins Kino zu gehen (nur um den einzigen, der sich um die Totenstille zu kümmern schien, zu beruhigen). Was war also dann geschehen?

Ganz salopp: Meine Monitor fiel plötzlich aus, irreparabel, kein Geld für einen neuen - bitter! Seit einer Weile ist nun auch wieder einer da, aber so recht die Lust, bald 60 Filme nachzutragen, die in dem Zeitraum gesehen wurden (Der Filmkonsum steigt indirekt proportional zum Internetkonsum!), war kaum vorhanden. Und dann bin ich gestern, ganz zufällig, über blogger.de gestolpert: Endlich Antville-Verhältnisse im Bloggen! Denn, wenn ich ehrlich bin, so einige technischen Unzulänglichkeiten - sei's durch meine Inkompetenz oder blogspots relativ spärliches Angebot - erschwerten das Bloggen nach Herzenslaune. Und einige private Rückschläge machten den PC dann auch eher erstmal unattraktiv.

Lange Rede, kurzer Sinn: Dieses Blog hier ist tot, bleibt aber als Erinnerungsstück erhalten! Weiter geht es nun hier im neuen Filmtagebuch bei Blogger.de. Vermutlich nicht ganz so wie bisher, eher so als privates Fanzine - mal Filmkritik, mal Überlegungen, mal Kommentar, mal Tagebuch, mal sonstwas - nicht unbedingt als akribische Gedankensammlung, die, wenn man mal ehrlich ist, hier doch stellenweise etwas zwanghaft durchgeführt wurde.

Es geht voran, in jeder Hinsicht irgendwie, ungewiss gewiss.

Bis einen Klick weiter,
Thomas, 19.10.2003

PS: Wer mich verlinkt hat: Wäre ja so irre prima von Euch, mein neues Blog zu verlinken, echt jetz'! :)

posted by Thomas | 22:12 |


Sonntag, Juli 27, 2003  

alltag, medial gedoppelt
Das ist ja gerade mal fünf Minuten weg von hier, nahezu um die Ecke, eigentlich...

posted by Thomas | 22:41 |


Freitag, Juli 25, 2003  

kunst und so
Warum nicht den PC mal zur Psychoanalyse schicken? Was verbirgt sich in den Tiefen seiner Psyche, manifestiert als Hard Drive? Von was träumen PCs, wenn sie schlummern, welche Fragmente ihres Daseins manifestieren sich im Traum?

Mary Flanagan hat genau das umgesetzt: Mit Phage, einem konstruktiven, statt destruktiven "Virus", der die Festplatte scannt, das Gefundene in bildschirmschonerähnlichen Anordnungen zutage fördert, in Bezug zueinander setzt. Lass' Deinen Computer träumen, schau' ihm dabei zu!



Text zum Projekt | Downloadmöglichkeit

posted by Thomas | 14:59 |
 

Die Blaue Hand (Alfred Vohrer, Deutschland 1967)
23.07.2003, Heimkino
Im Falle von Pulp und Trash aus längst vergangenen Jahrzehnten lohnt doch stets ein Blick ins Archiv der katholischen Filmpublizistik. Was steht dort etwa zu diesem, einer der ersten in Farbe gedrehten Wallace-Krimis von Alfred Vohrer mit Klaus Kinski in der Hauptrolle?

"Es ist zu fragen, ob zur Verdichtung von Spannungszuständen unbedingt auch das Ekelerregende mobilisiert werden muss. Die widerlichen Sequenzen mit den Schlangen und Ratten überschreiten die Grenze des Tragbaren. Unnötig auch das breite naturalistische Ausspielen der Morde, wobei die abstossende Grossaufnahme nicht verschmäht wird und mit hartem Schnittwechsel und greller Klangkulisse besonders geschmacklos nach makabren Effekten gehascht wird. Völlig fatal wirkt zwischen Blutrunst und Anstaltssadismus die selbstzweckhaft eingelassene Nacktszene, die dadurch bewerkstelligt wird, dass die Scotland Yard-Kriminalisten in der Anstalt durch den Türspion eine wohlproportionierte Geisteskranke beobachten, die gerade ihrem Striptease-Komplex frönt. Das alles erzeugt teilweise ein Unterhaltungsklima, das wie aus dem Abnormitätenkabinett des Jahrmarkts bezogen wirkt.", kann man dort, nicht ohne Amusement, nachlesen.

Die katholische Filmberatung hat, natürlich, Recht! Dieser Film ist, wie man anhand der Lektüre schon erahnen kann, von vorne bis hinten angenehm sleaziges EuroTrash-Vergnügen, irgendwo zwischen verklemmtem Altherrenwitz - genannte Nacktszene, selbstverständlich ist sie nicht wirklich eine, ist denkbar dramaturgisch sinnlos in den Film eingefügt - und Wirrungen (und Zoomspielereien) jessfranco'scher Prägung (wenngleich Herrn Francos umfangreiches filmisches Schaffen natürlich, was die Kohärenz anbelangt, noch eine ganz eigene Liga für sich darstellt - aber man ist zumindest nah dran!). Die Farben erinnern hie und da leicht an Bavas Gruselstücke, wie überhaupt auch der frühe Giallo, der italienische, meist recht obsessiv umgesetzte Krimi-Thriller, in diesem Film sein Gepräge hinterlassen hat. Alles in allem ein wahrhaftiges Gedicht von einem schummrig-gruseligen B-Movie mit einem Kinski, wie man ihn liebt, und einer Story, die man nur mit Bier im Blut - dann aber richtig - vollkommen genießen kann.

In diesem Sinne: Viva Filmdienst!

[ imdb ]

Webwatch
Wallace-Übersicht bei Cine4.de | Klaus Kinski im TV

posted by Thomas | 14:52 |
 

Rote Laterne (Zhang Yimou, Volksrepublik China/Hongkong 1991)
23.07.2003, Heimkino
Die zunehmende Versteinerung des Menschen, davon erzählt Zhang Yimou in seinem nunmehr schon 12 Jahre altem Film Rote Laterne. Eine junge, gebildete, selbstbewusste Frau - sie hat sogar studiert! - kommt im China des ausgehenden 19. Jahrhunderts auf Drängen der Mutter an den Hof eines Patriarchen, als dessen vierte Nebenfrau. Die allererste Einstellung des Films zeigt uns dieses Wesen, frontal in Großaufnahme gefilmt, wie sie dem Drängen der Mutter - die wirkt aus dem Off auf sie ein - nachgibt. "Ja", das ist ihr erstes Wort, die nachgiebige Einwilligung. "Ja, ich werde heiraten, einen reichen Mann". Eine Träne quillt langsam, unendlich langsam, aus den Augen, fließt über die Wangen. "Sommer" sagt dann ein Insert.

Am Hof herrscht ein grausames, subtiles Machtspiel. Ein Netz von Beziehungen und Intrigen, oft nicht sofort auf den ersten Blick als solche erkennbar, bildet sich im Wettstreit der Frauen um die Gunst des (genau wie die Mutter) stets gesichtslos inszenierten Patriarchen. Es geht um Ränge, um Zuneigung, Macht, Privilegien, Ansehen. Trotzdem bleibt alles seltsam immateriell, sinnlos. Anfangs eingeschüchtert entwickelt sich die junge Frau dennoch zu einer Meisterin dieses bitteren Spiels.

Doch sie geht elendig dran zugrunde, bleibt trotz allem gewissensgeplagt. Eingekerkert von Höfen, von dicken steinernen Mauern - die Kamera inszeniert deren Präsenz so elegant wie effizient -, von Traditionen und Beziehungsgeflechten, gibt es letzten Endes nur den Wahnsinn als Ziel.

Ein langsamer, bedächtiger, großartiger Film.

[ imdb ]

Webwatch
mrqe | rottentomatoes | Zhang Yimou im TV

posted by Thomas | 14:42 |


Donnerstag, Juli 24, 2003  

Frankensteins Monster jagen Godzillas Sohn (Jun Fukuda, Japan 1967)
22.07.2003, Heimkino
Nachwuchs im Hause Godzilla - welch freudiges Ereignis! Ein Sohnemann krabbelt aus dem Ei und wird, sehr zum Unbill von Pappa/Mamma (ja, was eigentlich?), sogleich von gar fiesen Riesenheuschrecken - Alle immer auf den Schwachen! - gepiesakt. Nun denn, der Erzeuger eilt zuhilfe, das Junge überlebt. Fortan sehen wir gar entzückend schöne Szenen des jungen Elternglücks: Mal wird getadelt, mal wird beschützt, mal wird pädagogisch Einfluß genommen, mal wird - auf Seiten des Sohns - trotzig sich auf den Boden hin und hergerollt. Riesenmonster sind eben auch nur Menschen (in Gummianzügen).



Auch wenn es in diesem hierzulande mal wieder sensationell beknackt betiteltem Kaiju eiga keine kaputtgewalzten Metropolen zu sehen gibt und auch die reichlich unmotivierten Kampfszenen, eigentliches Faszinosum jedes Vertreters dieser Filmgattung, ebenfalls eher minder gelungen wie nur sporadisch vorhanden sind, gefällt der Film vor allem aufgrund dieser liebevoll inszenierten "Familienszenen": Godzilla wandelt sich im Korpus der Reihe vom erschreckenden, bizarren Monster der ersten Filme zum Sympathieträger der späteren Episoden. Wunderschön anzusehen auch die finalen Bilder des Films: Die Insel versinkt unter Tonnen von Schnee, Godzilla und Sohn verschwinden aneinandergedrückt unter dem weißen Gestöber. "Wenn es wieder wärmer wird, wachen die wieder auf, die halten bloß Winterschlaf", heißt es mit einem leicht zweifelndem Timbre in der Stimme. Allzu traurig: das kleine Junge hat es offenbar nicht überlebt. Wenn ich mich nicht irre, war dies der einzige Auftritt des tappsigen Kleinen.

Die eigentliche Spielhandlung? Vollkommen egal, unerheblich! Nun gut, ein Forschungsteam auf einer verlassenen Insel sucht nach einer Möglichkeit, das Klima mittels Hi-Tech zu beeinflußen. Das ganze ist einigermaßen wenig nachvollziehbar bis vollkommen inkohärent gestaltet, somit auch nicht der Rede wert. Ist ja auch egal, die Story dient eh nur als Stichwortgeber und das ist, im Falle der Kaiju Eiga auch gut so.

[ imdb ]

Webwatch
mrqe | Tiermonster bei monstrula.de

posted by Thomas | 16:23 |
 

alltag, medial gedoppelt
Die nahen Bäume vor dem Fenster werden zunehmend vom aufkommenden Wind durchgeschüttelt, erste Regentropfen kündigen selbstbewusst einen Guß an, man blickt nach draußen, hoffnungsvoll, - Da! - ein Blitz! Gleich darauf ein Donnerschlag. Von Glas geschützt, wird die Wohnung von den erhabenen Klängen von Godspeed You Black Emperor erfüllt, durchdrungen. Es ist ein Zufall - ich schwör - , dass ausgerechnet in diesem Moment das Lied Storm (von dem Meisterwerk Lift your skinny arms like antennas to heaven) zu hören ist.

Ein anderes Lied heißt Everything in its right place und ist von Radiohead. Exakt!

posted by Thomas | 14:33 |


Mittwoch, Juli 23, 2003  

Manhattan Murder Mystery (Woody Allen, USA 1993)
21.07.2003, Heimkino
Das schöne an Woody Allens witzigeren Filmen ist, dass sie, neben aller Komik, sowohl inhaltlich reich und sichtlich Produkt einer bedachten Konzeption sind, andererseits aber eben auch nett nebenbei zu schauen sind, man sogar noch anderes nebenher machen kann, hier und da sich mal abgelenken lassen kann, aber anschließend nie wirklich "aus dem Film" ist. Liegt vielleicht auch daran, dass sich Allens Filme doch zumeist recht gleichen. Nicht, dass etwa ein Film wie der andere sei, nein, aber Allens bisheriges Schaffen lässt sich doch recht offensichtlich in drei, vier Sparten untergliedern, die er in schöner Regelmäßigkeit neu durchdekliniert und auf den neuesten Stand bringt.

Manhattan Murder Mystery könnte auch, in Anlehnung an Hitchcocks Das Fenster zum Hof, Die Wand zum Nachbarn heißen: Diane Keaton und Woody Allen spielen das Allen-typische newyorker, liberale Mittelschichts-Paar - vielleicht ist's ja sogar das Paar aus Annie Hall, eben nur 15 Jahre gealtert -, das (mal wieder) in die Krise gerät. Weil: Diane Keaton (eigentlich ist das ja immer herrlich egal, wie die Leute in Allens Filmen heißen, letzten Endes ist's eh immer Diane Keaton, Mia Farrow und Woody Allen) verdächtigt den Nachbarn direkt nebenan (man merkt schon: über Höfe hinweg zu spionieren ist in den Hochhäusern der 90er nicht mehr möglich), den man lange Zeit nicht gekannt, nunmehr kennengelernt hat, die eigene Gattin umgebracht zu haben. Das ist für Keaton Grund genug für ein wildes, kleines Abenteuer im recht behäbig gewordenen Ehealltag. Allen indes ist von den Theoremen und Schlußfolgerungen gar nicht begeistert, mimt den abwinkenden Griesgram. Es folgen die klassischen Hitchcock-Situationen - in Absenz des Verdächtigen in die Wohnung eindringen etwa, parallel montiert dazu der Nachbar, der sich behenden Schrittes seinem Appartement nähert -, die gekonnt und gewitzt durchgespielt werden. Ähnlich wie beim Großmeister des Suspense ist auch hier die Kamera verschmitzter Komplize des Erzählers: sie täuscht, verbirgt, simuliert die Bewegung aufschwingender Türen, schafft Spannung. Doch trotz aller Ähnlichkeiten, trotz aller Anlehnungen: Manhattan Murder Msytery ist durch und durch ein Allen-Film. Er fühlt sich so an, er sieht auch so aus.

Ganz beiläufig nur habe ich den Film gesehen, nebenher mal was gelesen, Liegengebliebenes erledigt. Und trotzdem war's ein Heidenspaß. Nicht alle Implikationen mitgekriegt, nicht jede Wendung wirklich anhand des Mitbekommenen nachvollziehen können und trotzdem war's spannend. Bleibt zu hoffen, dass etwaige Schwächen bei einer konzentrierten Sichtung nicht doch noch zutage treten, denn dann wäre das nämlich ein rundum schöner "später Allen", der ja, im Gegensatz zu früheren Titeln, nicht ganz so Konsens ist (wenngleich Deconstructing Harry meiner Meinung nach zu den besten Filmen aus dem Schaffen des New Yorkers gehört).

Bester Satz des Films: "I can't listen to that much Wagner, ya know? I start to get the urge to conquer Poland."

Witzigste Szene: Allen does Blackmail.

[ imdb ]

Webwatch
rottentomatoes | mrqe | Woody Allen im TV | woody-allen.de

posted by Thomas | 23:34 |
register
blogs
Listed on BlogShares www.blogwise.com